Dr. phil. Claus Baumann
Arbeiter des Begriffs

Kommende Termine

Dienstag, 20. Februar 2024, 17‒21 Uhr, Keplerstr. 17, 70174 Stuttgart

»…der Jude unter den Staaten«
‒ Workshop zu israelbezogenem Antisemitismus

Mehr als 1200 Israelis wurden am 7. Oktober letzten Jahres durch den Terroranschlag der Hamas ermordet. Die entsetzlichen Bilder der Tat wurden von den Attentätern mit Stolz in den Sozialen Medien gepostet. Die Reaktionen darauf umfassen das ganze Spektrum: vom Entsetzen über die Akte der Grausamkeit, über Vergewaltigungen, die wahllose Ermordung von Jüdinnen und Juden und von in Israel lebenden Menschen einerseits, genauso wie andererseits die hemmungslos zur Schau getragene Freude über dieses Pogrom und unmissverständliche Solidaritätserklärungen mit den Tätern ‒ Letzteres leider auch auf deutschen Straßen und an deutschen Universitäten, wo Terror-Sympathisant*innen in manchen Einrichtungen Hörsäle besetzten, in Sprechchören Israels Existenzrecht geleugnet wurde und in bitterer Konsequenz sogar jüdische Kommiliton*innen direkt attackiert wurden.
Antisemitismus tritt in vielfältigen, oft widersprüchlichen Erscheinungsformen auf. Er ist auch in linken politischen Traditionen sowie in »woken« intellektuellen, künstlerischen und akademischen Diskursen vertreten, obwohl doch deren Anspruch auf Emanzipation und auf Überwindung sämtlicher Formen von Unterdrückung und Diskriminierung von Menschen dem Antisemitismus im Grunde widerspricht.
Die derzeit dominierende Variante ist der israelbezogene Antisemitismus, bei der der Staat Israel dämonisiert, delegitimiert sowie mit anderen Kriterien beurteilt wird, als alle anderen Staaten, somit als »der Jude unter den Staaten« (Léon Poliakov) erscheint, als der »kollektive Gesamtjude«. Auch wenn rhetorisch der Staat Israel beziehungsweise die israelische Politik im Vordergrund stehen, offenbart das Pogrom vom 7. Oktober, aber auch die Angriffe auf jüdisches Leben weltweit, dass das wirkliche Hassobjekt Jüdinnen und Juden sind. Somit reiht sich der Hass auf Israel in andere bestehende Erscheinungsformen des Antisemitismus ein, insbesondere in die Tradition eines mörderischen Judenhasses.
Warum das so ist und wie dem israelbezogenen Antisemitismus argumentativ und institutionell im universitären Kontext begegnet werden kann, diesen Fragen spürt der vom Arbeitskreis Bildung und soziale Ungleichheit organisierte Workshop nach ‒ unter Mitwirkung der Jüdischen Studierenden Union Württemberg (JSUW).

Anmeldung bis zum 16.02.2024: propaedeutikum-anmeldung@f09.uni-stuttgart.de
Adresse, Raumnummer und weitere Informationen werden bei Anmeldung zugesandt.

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Anfragen für Vorträge oder Workshops an:
mail "at" clausbaumann "Punkt" de
(diese E-Mail-Adresse bitte selbst zusammensetzen)